Aloha Hawaii: Diese 32-Jährige rudert über den Pazifik

Marina Hunziker aus Meggen will von Kalifornien nach Hawaii rudern. Die Strapazen einer Ozeanüberquerung kennt die 32-Jährige bereits.   

Die Extremsportlerin Marina Hunziker rudert wieder los. Nach ihrer Atlantiküberquerung will sie jetzt in einem Viererteam den Pazifik bezwingen. Wochenlang wird Hunziker auf einem kleinen Ruderboot den Naturgewalten ausgesetzt sein. Nicht nur die körperliche, auch die mentale Belastung ist hoch.

Um nach Hawaii zu rudern, lebt Marina Hunziker aus Meggen ein autarkes Leben auf dem Ruderboot. Die 4500 Kilometer vom kalifornischen Monterey nach Hawaiiwill das Team mit eigener Muskelkraft überwinden. Die Energie wird mit Solarpanels generiert, für das Trinkwasser wird das Meerwasser entsalzt. Einen erfrischenden, kühlen Sodadrink, das wird die 32-Jährige auch bei ihrer zweiten Ozean-Überfahrt vermissen. Und ihre Familie, die Freundinnen und Kollegen und ihren Partner.

Marina Hunziker rudert bei der Pazifik Challenge in einem 4er Team von Kalifornien nach Hawaii. Bereits 2022 überquerte Sie mit ihrer Kollegin mit dem Ruderboot den Atlantik. Marina fotografiert in den Räumlichkeiten des Ruderclub Reuss in Luzern.
Marina Hunziker im Ruderclub Reuss in Luzern. Bild: Dominik Wunderli

Vorbereitung für die Ozeanüberquerung

Dieser habe mit den Augen gerollt, als sie ihm ihre Pazifik-Pläne gebeichtet habe. «Nicht schon wieder», war seine Reaktion. Hunziker weiss, es ist für alle in ihrem Umfeld eine Belastung. Ihr einziges Gesprächsthema seit einem Jahr ist die Pazifik-Challenge. Bevor ihr Partner aufsteht, ist sie schon im Fitness fürs Krafttraining. Nach der Arbeit begrüsst sie ihn auf dem Ergometer. Statt einen gemütlichen Filmabend zu verbringen, beantwortet sie E-Mails. Und auch in den letzten Ferien gab es keine Zweisamkeit, sondern Trainingscamps für Hunziker.

Bei der Pazifikchallenge startet Hunziker mit einem Viererteam. Das Team Ohana ist eine erfahrene Gruppe: Alle sind bereits mindestens einmal über den Atlantik gerudert. Die Teammitglieder lernten sich 2021 vor dem Start der Atlantikchallenge kennen. Damals waren sie in der gleichen Flotte, aber in unterschiedlichen Teams. Zwischen den zwei US-Amerikanern, der Holländerin und der Luzernerin entstand eine Freundschaft. Und die Idee, nach Hawaii zu rudern.

Jedes Teammitglied hat «verschiedene Ämtli»

Jeder bringt seine Stärken mit ins Team. Im Vorfeld übernahm jedes Teammitglied «verschiedene Ämtli». Neben der Organisation und Planung des Abenteuers wollen die Ruderinnen und Ruderer möglichst viele Spenden für zwei wohltätige Zwecke sammeln. Auch auf See werden die Aufgaben verteilt. Hunziker ist zuständig für die Navigation. Im Zweifelsfall muss und kann sie aber alles übernehmen, vom Notfallfunk bis zur Reparatur der Solaranlage.

Bei der Generalprobe im Frühjahr ruderte das Team die Florida-Küste ab. Hunziker wird wieder seekrank und steigt nach viereinhalb Tagen übermüdet vom Boot. Da habe sie sich schon gefragt, warum sie sich diese Strapazen antut.

Zwei Portrait-Bilder von einer dunkelhaarigen Frau. Das erste ist mit schön gestylten Haaren un gleichmässigen Teint. Das zweite zeigt die Frau sonnengebräunt, und einem weissen Abruck von Träger eines Tanktops.
Marina Hunziker vor und nach ihrer Atlantiküberquerung. Bild: zvg

Heftige Stürme und wenig Platz an Bord

Doch das Positive überwiegt. Die Natur so zu erleben wie auf dem offenen Ozean, das sei einzigartig, schwärmt Hunziker. Die Begegnungen mit den Meeresbewohnern, das Beobachten der schönsten Sonnenaufgänge und der krassesten Gewitter sind für Hunziker unvergessliche Momente. «Es sind Erfahrungen, die nicht viele Menschen machen», sagt sie.

Auch die schwierigen Momente wird es geben, das weiss Marina Hunziker. Die Natur ist unberechenbar. Und die Wetterexperten rechnen mit einem El-Niño-Jahr. Heftige Stürme und hohe Wellen machen den Pazifik dann noch ungemütlicher.

Am 12. Juni wird von der kalifornischen Küste, 200 Kilometer südlich von San Francisco, gestartet. Wann sie auf der hawaiianischen Insel Kauai angekommen? «Es dauert so lange, wie es eben dauert.» Die durchschnittliche Zeit beträgt laut Organisatoren 62 Tage.

«Es dauert so lange, wie es eben dauert.»

So lange Zeit auf so engem Raum zusammenzuleben, da kann es auch zu zwischenmenschlichen Problemen kommen. Um Streit vorzubeugen, muss jeder in der Kabine Ordnung halten und schauen, dass immer alles richtig versorgt ist.

Die «No-Gos» der anderen kennen sie schon: Hunziker mag es gar nicht, wenn Sticker kreuz und quer aufgeklebt werden. Ihren Kollegen nervt es, wenn die Ruder aufeinander knallen. «Wir werden uns sicher irgendwann mal ‹anzicken›», sagt Hunziker. Wichtig ist dann, das Problem gleich anzusprechen und so schnell wie möglich über Bord zu werfen. Sich aus dem Weg gehen ist auf dem neun Meter langen Schiff unmöglich.

«Wir werden uns sicher irgendwann mal ‹anzicken›.»

Ihr Alltag auf dem Pazifik wird anderen Routinen folgen als an Land. Zwei Stunden rudern, zwei Stunden Pause. Schlafen, Kalorien zu sich nehmen, weiterrudern, das Boot nach Hawaii navigieren. Hunziker ist fokussiert und freut sich auf das Abenteuer: «Ich bin gut auf die Herausforderung vorbereitet.»

Auch bei der Nervennahrung hat sie dazugelernt. Auf dem Atlantik vermisste sie Rindfleisch und Ovo Sport, davon gibt es in diesem Jahr ein paar extra Portionen.

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