Eine japanische Flugshow in Chur

Das asiatische Snowboardteam dominiert den Saisonauftakt im Big Air. Der Schweizer Moritz Boll sammelt Selbstvertrauen.   

Am Samstag konnte die Snowboardparty steigen. Beim Big Air in Chur feierten die Snow­boarderinnen und Snowboarder ihren Weltcupauftakt zusammen mit 15000 Fans und einem Musikfestival. Die 42 Meter hohe Stahlkonstruktion mit Absprung und Landung, alles war mit Kunstschnee bedeckt. Die ganze Rampe? Nein, der obere Teil der Anfahrt bestand aus Kunststoffmatten, wie sie bereits im Sommertraining genutzt werden. Nun wurden diese so weiterentwickelt, dass der Übergang auf den Schnee möglich ist.

Zum ersten Mal fand ein Weltcup mit diesem Hybridmodell statt. Der Vorteil: Es spart rund ein Drittel an Kunstschnee. Dieser wurde in Chur direkt neben der Rampe mit gekühltem Wasser und Solarstrom in grossen Kühlschränken erzeugt.

Eine 18-jährige Japanerin beweist Nervenstärke

Am besten mit der Big-Air-Anlage und den wechselnden Wetterbedingungen kam das japanische Team zurecht. Schon in der Qualifikation am Vormittag dominierten die Asiaten die Konkurrenz. Im Final am Abend stammte die Hälfte der Starterinnen und Starter aus Japan. Am Ende holten sie sich fünf von sechs Medaillen. Einzig die Slopestyle-Weltmeisterin Mia Brookes aus England konnte mit den Japanerinnen mithalten und ergatterte die Bronzemedaille.

Die Siegerin Kokomo Murase beeindruckte nicht nur mit spektakulären Tricks, sondern auch mit mentaler Stärke. Nach einem «Backside Double Cork 1080» (zwei Salti und drei Drehungen) im ersten Durchgang und hoher Punktzahl, verkantete Murase bei ihrem «Frontside 1080» in der Landung und stürzte, blieb aber zum Glück unverletzt. Es wurde ihr Streichresultat. Im ­Final werden die besten zwei von drei Sprüngen gewertet. Neu müssen die Athletinnen und Athleten Tricks in beide Drehrichtungen (frontside und backside) zeigen.

Im dritten Versuch bewies die 18-Jährige dann ihre starken Nerven. Sie landete nach drei Drehungen perfekt und wurde mit 91 Punkten belohnt. Das konnte auch Teamkollegin Reira Iwabuchi nicht toppen, sie ­wurde mit den gleichen Tricks Zweite. Die einzige Schweizerin Lena Müller belegte Rang 14.

Bei den Männern konnte Hiroto Ogiwara seinen dritten Sprung geniessen, der stylische «360» war für die Fans. Im dritten Durchgang wird beim Big-Air-Final in umgekehrter Reihenfolge gestartet. Als letzter Fahrer stand Ogiwara noch oben. Weil keiner der anderen Rider den Score des 18-Jährigen aus Run 1 und 2 übertreffen konnte, stand er als Sieger fest. In beide Richtungen hatte Ogiwara zuvor viereinhalb Rotationen gezeigt, jeweils rückwärts angefahren. Mit den beiden «1620» gewann der Japaner den ersten Weltcup in seiner Karriere.

Nur ein Europäer im Final der Männer

Auch bei den Sprüngen gibt es Möglichkeiten, kreativ zu sein. Neuartige Absprünge und Schneeelemente sind besonders bei grossen Events wie den Olympischen Spielen beliebt. Auch im Corvatsch Snowpark gibt es eine Besonderheit. Nach dem Start und der ersten Railsektion macht die Piste eine 90-Grad-Kurve. Ein guter Platz für Würsch, um ein ganz spezielles Element in den Kurs einzubauen.

Der Unterhalt eines Snowparks ist Teamarbeit. Auf dem Corvatsch sind neben Würsch vier Parkshaper und zwei weitere Pistenbullyfahrer im Einsatz. Die grossen Maschinen mit Seilwinden präparieren die steilen Landungen. Der Feinschliff an den Absprüngen wird mit der Schaufel und der Motorsäge perfektioniert. Vor drei Jahren hat Würsch seine eigene Firma «jwparks» gegründet. Von der Planung bis zur Umsetzung und zum Aufbau bietet Würsch Snowparks für alle Niveaus an.

Trotz etwas Metall für die Rails, ein Snowpark besteht hauptsächlich aus Schnee. Der Snowpark Corvatsch befindet sich auf 2000 Metern. Ohne technische Beschneiung könnten die grossen Sprünge und Landungen nicht gebaut werden. Wie viel Wasser und Energie dafür verwendet wird, will Würsch nicht verraten. «Das würde in den heutigen Diskussionen wohl nicht gut ankommen», sagt er. Eine Lösung sieht er in Erdarbeiten. Sie könnten eine grosse Menge Schnee einsparen, da Sprung und Landung aus Erde geformt werden.

Die Rampe der Big-Air- Anlage in Chur ist blau beleuchtet.

Das Glück des japanischen ­Trainers komplett machte Kira Kimura, der bei seinem Weltcupdebüt die Silbermedaille gewann. Bronze ging an Team­kollege Takeru Otsuka. In den Final der Männer schaffte es nur ein europäischer Fahrer. Mit drei Stürzen blieb der Italiener Nicola Liviero chancenlos.

Bester Schweizer wurde Moritz Boll. In der Qualifikation zeigte der Davoser einen «1620», griff aber bei der Landung mit einer Hand in den Schnee und verpasste so den Finaleinzug. «Es war haarscharf», sagte Boll nach der Qualifikation. Mit Rang 17 war er trotzdem zufrieden. «In der letzten Saison hatte ich ­öfters Probleme, meine Tricks zu stehen und selbstbewusst zu sein», sagte er. «Endlich habe ich wieder ein gutes Gefühl. Ich bin hungrig auf den nächsten Weltcup.»

Die japanische Dominanz erklärte der 23-Jährige damit, dass die japanischen Fahrer schon lange auf den Kunststoffmatten trainieren. Ausserdem hätten sie die optimale Körpergrösse für den Sport, sagte er mit einem Augenzwinkern. Er selbst misst 1,90 m.

«Ich bin hungrig auf den nächsten Weltcup.»

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