Lucerne Regatta: Zehn Sprachen, zehn Geschichten

Regula Catrina Hug engagiert sich seit Jahrzehnten für die Lucerne Regatta. Die 79-Jährige spricht zehn Sprachen und erzählt ihre zehn schönsten Anekdoten.

Im Bild ist Regula-Catrina Hug, sie ist 82 Jahre alt und seit Jahrzenhnten im Sportseki bei der Lucerne Regatta im Einsatz
Regula-Catrina Hug ist bei Lucerne Regatta im Einsatz. Bild: Roger Grütter

Es ist wieder soweit: In Luzern findet die Lucerne Regatta statt. Für den Weltcup-Final rudern die weltbesten Ruderinnen und Ruderer auf dem Rotsee. Wie gewohnt emsig und fleissig mittendrin: die 79-jährige Regula Catrina Hug. Sie spricht zehn Sprachen und engagiert sich seit über 60 Jahren für die Lucerne Regatta. Vor dem ersten Startschuss erzählt sie ihre schönsten Anekdoten und gibt einen Einblick hinter die Kulissen.

Schwiizerdütsch

Als Jugendliche fängt Regula Hug mit dem Rudern an. Bis heute bedeutet der Sport alles für sie. Sie pflegt dadurch weltweite Freundschaften und verdankt dem Sport ihre Gesundheit. Hug ist in mehreren Ruderklubs aktiv, unter anderem beim Ruderclub Ägeri. Von dort hat sie es nicht weit an den Rotsee, dem Göttersee in der Ruderwelt. Einen festen Eintrag in ihrer Agenda hat die Lucerne Regatta. Beim Ruder-Weltcup engagiert sich Hug schon seit über 60 Jahren

 

Rätoromanisch

Aufgewachsen ist Regula Hug in der Stadt Zürich. Die Wintermonate verbrachte sie im Engadin. Hug ging dort zur Schule und lernte so die vierte Schweizer Landessprache. Das Ruder tauschte sie dann gegen die Ski. Zwei Sportarten, die ihr Leben prägen: nicht nur als Aktive, sondern auch als J+S-Trainerin im Rudern oder als Skilehrerin und erste Skischulleiterin der Schweiz.

Französisch

Als Sprachentalent bezeichnet Hug sich selbst nicht. Es sei ihrem Vater wichtig gewesen, dass sich die Kinder neben der Muttersprache auch in Französisch ausdrücken können. Bis heute erweitert Hug ihren Wortschatz, in dem sie täglich französische Kreuzworträtsel löst. Das Französisch braucht sie an ihrem Wohnort im Wallis, an dem sie Cabernet-Sauvignon-Wein anbaut, nützt aber auch dem Schweizer Ruderverband. Dort arbeitet Hug als Simultanübersetzerin bei Generalversammlungen. Letztes Jahr wurde sie aufgrund ihres langjährigen Einsatzes zum Ehrenmitglied ernannt.

Im Bild ist Regula-Catrina Hug, sie ist 82 Jahre alt und seit Jahrzenhnten im Sportseki bei der Lucerne Regatta im Einsatz. Sie steht auf einem Steg am Rotsee. SIe trägt eine hellgrüne Hose und ein blaues T-Shirt.
Regula Hug am Rotsee. Bild: Roger Grütter

Norwegisch

Als eidgenössische Fachangestellte für Elektronenmikroskopie verbrachte Hug einige Monate in Norwegen. Auch dort ging sie so oft wie möglich rudern und lernte so das norwegische Fachvokabular für den Rudersport. Ihr Tipp, um neue Sprachen zu lernen: Radio hören, TV schauen, Bücher lesen und vor allem sich trauen, mit den Menschen zu sprechen. Dies braucht vielleicht manchmal Überwindung, doch werde immer mit Wohlwollen vom Gesprächspartner anerkannt, so Hug.

Englisch

1962 fand die Ruder-WM in Luzern statt. Das inspirierte Hug. Nach einem dreijährigen Aufenthalt in den USA will sie sich bei den folgenden Ruderrennen am Rotsee einbringen. Zunächst verkauft sie bei den Weltcup-Rennen Souvenirs an Verkaufsständen. Mehr Verantwortung darf sie zu dieser Zeit noch nicht übernehmen. «Eine Frau hatte damals wenig zu sagen», erzählt sie. Doch Hug hat vieles zu sagen, und das in verschiedenen Sprachen. Es gibt viele Momente, in denen sie mit ihren Sprachkenntnissen glänzen kann. Die Verständigung mit den Athletinnen und Athleten funktioniert. Sie betreute und chauffierte verschiedene Teams.

«Eine Frau hatte damals wenig zu sagen.»

Deutsch

Mittlerweile gehört Regula Hug bei der Lucerne Regatta zum Inventar. Egal, ob eine Trikothose geflickt werden muss oder die Stromkabel noch nicht verlegt sind, Hug weiss immer eine Lösung für jedes Anliegen. Das Nähzeug ist parat und die Telefonnummer des Elektrikers eingespeichert. Mittlerweile kennt sie auch die Eigenheiten der Teams. Sie weiss, die Kaffeemaschine im Zelt des deutschen Teams muss als Erstes installiert werden, sonst folgen die Beschwerden prompt.

Portugiesisch

Neben den sportlichen Ansprüchen und den organisatorischen Wünschen der Teams hat Hug auch ein Ohr für die portugiesischen Reinigungskräfte. Hug weiss, wo das WC-Papier gelagert wird, und, wo der passende Schlüssel zum Aufbewahrungsraum zu finden ist. Sie kümmert sich um alle «wichtigen Kleinigkeiten». Ihr Büro ist im Sportsekretariat im Ruderzentrum, doch zu finden ist sie dort, wo es sie braucht: beim Aufbauen, Aufräumen oder Fragen beantworten, auch auf Portugiesisch. In ihre Rolle ist sie über die Jahre hineingewachsen.

Italienisch

Für Hug ist die Freiwilligenarbeit wichtig. Es bedeutet für sie Kameradschaft. Aber auch in anderen Bereichen unterstützt sie ihre Kolleginnen und Kollegen. Wenn es um einen Bootskauf geht, verhandelt Hug mit den italienischen Händlern, denn viele Ruderboote werden in Italien hergestellt. Kein Wunder also, dass ihre Ruderkameradinnen und Ruderkameraden auf sie zurückgreifen, damit der bestmögliche Preis für sie rausspringt.

Spanisch

Ihr Interesse an Sprachen verhilft Hug zu Freundschaften auf der ganzen Welt. Bei den Weltcup-Rennen in Luzern lernt sie viele Athletinnen und Athleten kennen. Auch einen chilenischen Ruderer, den sie in Südamerika besucht hat. Auch auf der anderen Seite der Erde funktioniert ein Ruderschlag gleich, trotzdem gibt es überall verschiedene Techniken. Diesen Austausch findet Hug spannend.

Regula Hug im Ruderzentrum Luzern. Im Hintergrund eine graue Betonwand mit Namen darauf.
Regula Hug im Ruderzentrum Luzern Roger Grütter

Litauisch

Der Rudersport, das sei ihre Familie, sagt Regula Hug. Verheiratet ist sie nicht, eigene Kinder hat sie keine. Ihre wichtigsten Wegbegleiter hat sie beim Rudern kennen gelernt. Auch ihren Adoptivsohn aus Litauen. Offiziell ist es zwar nicht, doch sie ist fest in dessen Familienleben integriert. Er wohnt seit über 30 Jahren in der Schweiz und hat einen neunjährigen Sohn mit einer Schweizerin. 

«Wir sind in engem Kontakt und ich bin für den Kleinen wie eine Grossmutter.»

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